Blue Summit Switzerland (BSS) hat sich zum Ziel gesetzt, Fakten aus der Wissenschaft in die Politik zu tragen und aufzuzeigen, welche langfristige Herausforderungen in der Wasserbranche die Politik angehen muss. Am 2. BSS trafen sich rund 80 Personen im Schloss Reichenau zum Austausch und gemeinsamen Nachdenken.
Was können wir vom Wassermanagement in Singapur lernen?
Nach der Begrüssung durch Ernst Bromeis und Heinz Habegger stellte Harry Seah (Nationale Wasserbehörde Singapur) das Wassermanagement des Stadtstaates vor. Die Herausforderung ist gewaltig, wie auf engstem Raum die Versorgung von gut 6 Mio. Menschen mit Trinkwasser gelingen soll. Singapur verfolgt eine mehrgleisige hoch technologisierte Strategie mit gereinigtem Regenwasser, «NEWater» (gereinigtes Abwasser), Meerwasserentsalzung, Steigerung der Energieeffizienz in allen Prozessen, Solartechnik auf dem Meer und ein akzeptiertes Wasserpricing. Der Anteil des NEWater soll von heute 50% auf 55% bis 2060 gesteigert werden. Bis dann rechnet Singapur durch die Bevölkerungsentwicklung mit einer Verdoppelung des Wasserbedarfs.
Inputreferate von Forschenden
Prof. Dr. Max Maurer thematisierte den zukünftigen Leistungsunterhalt unserer Wasserinfrastruktur und wies auf den Klimawandel als Treiber hin. In der Schweiz geht es um Erhalt und Fortführung von Wasserinfrastrukturen in der Grössenordnung von 230 Milliarden Franken. Um die Klimaresilienz zu stärken, fordert Maurer einen Innovationsfonds, zudem stellt er sich neue Fach- und Beratungsstellen des Bundes für die Gemeinden vor und in jeder Sprachregion ein Leuchtturmprojekt oder eine innovative-Zukunftsregion. Diesem staatlichen Innovationsprogramm widerspricht Nationalrat Christian Wasserfallen. Aus seiner Sicht brauche es keinen neuen Fonds, es brauche hingegen Koordination zwischen den drei Staatsebenen, er könnte sich aber vorstellen, den bestehenden CO2-Fonds im Zweck zu erweitern. Zudem plädiert er statt der staatlichen Intervention einen bottom-up-Ansatz. Für den Unternehmer Peter Hunziker ist klar, dass wir uns auf Extremereignisse vorbereiten müssen und dabei über die Sektoren hinausdenken. Der Raum in der Schweiz werde enger, er stellt auch die Frage der Effizienz von weitergehenden Gewässerschutzmassnahmen und stellt klar, dass es in einem immer stärker und bis ins letzte Detail regulierten Welt zusehends schwieriger wird, Innovationen umzusetzen.
Prof. Dr. Eberhard Morgenroth führte ins Thema der künftigen Wasserangebot und -nachfrage ein und zeigt anhand von San Francisco mögliche Lösungen auf; Wassersparen, neue Ressourcen erschliessen sowie die Wasserwiederverwendung. Er zeigt sich offen für eine Lockerung des heutigen generellen Verbots der Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser für die Bewässerung von Stadtgrün und landwirtschaftlicher Kulturen. Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger zeigte sich auch als Vertreter der Landwirtschaft grundsätzlich offen für die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser in der Landwirtschaft, man müsse jedoch sehr genau die Qualität, den Preis und die Zeit betrachten. Eva Reinhard, die Leiterin Agroscope, wies auf rechtliche Probleme hin und die Frage der Verteilung des Wassers, es seien dann kurze Distanzen der Felder/Gewächshäuser zur ARA Voraussetzung für ein Gelingen.
Rudolf Lüthi von Helvetas zeigte anhand von Beispielen den Wasserfussabdruck von importierten Nahrungsmitteln auf. Relevant seien vor allem Kaffee, Kakao, Fleisch, Baumwolle und Palmöl. Wobei immer die Situation der Herkunftsländer (wasserarm/-reich) berücksichtigt werden müsse.
Vertiefung in Gruppen
Nach vertieften Diskussionen und Schärfung der Thesen in drei Gruppen präsentierte Heinz Habegger 8 mögliche Vorstösse und wollte von den Politikerinnen und Politikern in der Schlussrunde wissen, wie sie dazu stehen, es sind dies:
Die möglichen Vorstösse wurden von den Parlamentariern Martin Candinas (Mitte), Benjamin Mühlemann (FDP), Katja Riem (SVP), Hans Jörg Rüegsegger (SVP), Bruno Storni (SP), Aline Trede (Grüne), Christian Wasserfallen (FDP) und Céline Weber (GLP) mit Interesse kommentiert. Während sich Links-Grün für viele Vorstösse bekennen konnte, sind die Bürgerlichen deutlich zurückhaltender. BSS hat angekündet, anfangs März ein Debriefing durchführen und das weitere Vorgehen bezüglich den Findings zu besprechen. Wir dürfen gespannt sein, wie es weitergeht.
Fazit
BSS ist es gelungen, eine Dialog-Plattform zwischen Politik, Wissenschaft/Fachwelt und Wirtschaft zu etablieren. Dies ist eine grosse Leistung und gebührt Respekt. Das Interesse und die Dialogbereitschaft am Umgang mit Wasser waren von allen Seiten und auch allen politischen Parteien spürbar vorhanden. Künftig wird uns die Frage weiter umtreiben, wie die Wasserwirtschaft die bürgerlichen Politikerinnen und Politiker ansprechen und mobilisieren kann. Wollen wir erfolgreich sein, darf die Sympathie und Unterstützung von Wasserthemen nicht nur aus links-grünen Kreisen kommen. Hierfür müssen wir uns auch als Wasserfachleute vielleicht noch intensiver mit dem Politiksystem Schweiz auseinandersetzen. Wie kann das Subsidiaritätsprinzip der Schweiz für die Wasserwirtschaft zielführend genutzt werden, wie ticken die Bürgerlichen, wie gewinnen wir sie? Und der Staat muss bekanntlich sparen (Bericht Gaillard), da werden es neue Fonds schwer haben.
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