Blaugrüne Infrastruktur soll unsere Städte lebenswerter machen. Wasserbecken und viel Grün können Hitzeinseln vermeiden und gleichzeitig Lebensraum schaffen. Zudem wirken die Becken und die gezielt wie ein saugfähiger Schwamm aufgebaute Vegetation als Puffer. So fliesst bei immer intensiveren Regenfällen nicht alles Wasser gleichzeitig ab. Das bricht die Hochwasserspitzen, mindert das Überfluten von Unterführungen oder Kellern, und das zurückgehaltene Wasser kann in der nächsten Trockenperiode für die Bewässerung der Grünflächen verwendet werden.
Mehrere Forschungsprojekte, die die Eawag seit Jahren gemeinsam mit der Empa und dem WSL durchführt, haben nun gezeigt, dass sich diese Win-Win-Situation noch erweitern lässt. Dann nämlich, wenn die Wasserbecken auf den Gebäudedächern als Pumpspeicher genutzt werden. Das Prinzip ist simpel: Mit überschüssigem Solar- oder Windstrom wird tagsüber Wasser in die Becken hochgepumpt. Nachts, bei Schlechtwetter oder generell dann, wenn die Nachfrage nach Strom das nachhaltig produzierte Angebot übersteigt, wird das Wasser aus den Becken im Keller des Gebäudes über marktübliche Kleinturbinen verstromt.
Die Pilotanlage im Eawag-Hauptgebäude Forum Chriesbach in Dübendorf liefert rund 8000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. «Das mag, gemessen an der Grande Dixence, wenig erscheinen», sagt der Eawag-Empa-Umweltbeauftragte Dionys Hallenbarter, «doch für uns ist das ein Riesenerfolg.» Denn dieser Strom, so der Energieexperte, sei äusserst wertvoll, weil er exakt dann produziert werden könne, wenn er gebraucht werde. Zudem sei das vom Bundesamt für Energie geförderte Pilotsystem in Dübendorf ja in erster Linie für die Forschung erstellt worden. Nun habe man den «proof of concept», also den Beweis, dass es funktioniert, erbracht und könne an Optimierungen arbeiten, zum Beispiel, wie über den Wasserbecken angeordnete Solarpanels den Pumpstrom produzieren können.
Eine gemeinsame Studie der Abteilungen für Umweltsozialwissenschaften und Systemmodellierung hat untersucht, wie sich das Prinzip auf den Gebäudepark der ganzen Schweiz ausweiten liesse. Im renommierten Magazin Environmental Science and Technology publiziert die Gruppe das Resultat: Würde nur ein Prozent der geeigneten Gebäude mit ähnlichen Anlagen bestückt, ergäbe sich bereits ein steuerbarer Energie-Inhalt, der dem Zervreila-Stausee im bündnerischen Valsertal entspricht.
Der Zürcher Baudirektor Martin Neukom, regelmässiger Gast auf dem innovativen Campus von Eawag und Empa in Dübendorf, zeigt sich begeistert: «Jetzt müssen wir in Bern darauf hinwirken, dass solche multifunktionalen und regelbaren Dachanlagen zur Pflicht werden bei Neubauten und grösseren Gebäudesanierungen», sagt er. Auch Eawag-Direktor Martin Ackermann ist überzeugt: «Nur vom Klimawandel reden, genügt nicht. Dank der gemeinsamen Projekte können wir nun zeigen, dass Forschung nachhaltig Wirkung hat.»
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